Monday, 12. July 2010
 Der in Deutschland eher unbekannte amerikanische Lyriker Billy Collins ist mir zum ersten Mal in einer Anthologie zur amerikanischen Literatur über den Weg gelaufen. Sein teils kritischer Blick auf den Alltag, oft verpackt in leichte, unbeschwerte Sprache und versehen mit einem Augenzwinkern, regt zum Nachdenken an oder verbreitet einfach nur eine angenehme Stimmung. In seinem Gedicht "Osso Buco" (Link zum englischen Original) schafft er es auf wunderbare Weise, diese beiden Aspekte zu verbinden. Für mich ist es ein Wohlfühlgedicht, das mich jedes Mal wieder in diese angenehme, vielleicht etwas übersättigte Atmosphäre eintauchen lässt, die ein reichhaltiges Abendessen hervorrufen kann. In Billy Collins Gedichten kann man versinken wie in einem guten Mahl. Sie sind "hospitable", wie er selbst sagt. Einladend, gastfreundlich, fast schon bewohnbar.
Es ist vermutlich etwas unüberlegt gewesen, mit einem Schmorgericht bis zu den heißesten Tagen des Jahres (31°C in der Wohnung, nach Sonnenuntergang, die Küche liegt ein paar Grad drüber) zu warten, aber das Thema "Kulinarisches aus Literatur und Film" des Blogevents dieses Monats ist nun mal im Hause kochen375 entstanden und wird von mir organisiert, da müssen wir jetzt durch. Immerhin blieb der Backofen aus. ;)
Für diejenigen, die sich in der englischsprachigen Originalversion des Gedichts nicht zurecht finden oder bei der Hitze ihre Gehirnwindungen für wichtigere Dinge verwenden wollen, habe ich versucht, es möglichst verlustfrei ins Deutsche zu übersetzen. Für den vollen Genuss empfehle ich jedoch wie immer das Original.
Osso Buco - Billy Collins
Ich liebe den Klang von Knochen gegen Teller
und das festungshafte Aussehen,
wie es vor mir liegt, inmitten eines Wallgrabens aus Risotto,
das Fleisch so weich wie das Bein eines Engels,
der eine Existenz allein in der Luft gelebt hat.
Und am besten überhaupt, das geheime Mark,
die eroberte Intimsphäre des Tiers,
die mit einem Messer geborgen wurde und heruntergeschluckt
mit kaltem, anregendem Wein.
Ich schwanke jetzt, in der Stunde nach dem Abendessen,
ein Bürger, zurückgelehnt in seinem Stuhl,
ein Wesen mit vollem Magen -
eine Sache, von der man in der Lyrik sonst nichts erfährt,
dieser Zufluchtsstätte von Hunger und Entbehrungen.
Sie wissen schon: Der strömende Regen, die Stiefel an der Tür,
kleine Vögel, die nach Beeren suchen im Winter.
Aber heute Abend hat der Löwe der Zufriedenheit
eine warme, schwere Pfote auf meine Brust gelegt
und ich kann nur meine Augen schließen und höre
die Trommeln des Wehklagens in der Ferne schlagen
und den Klang des Lachens meiner Frau
die am Telefon ist, nebenan,
die Frau, die das schmackhafte Osso Buco gekocht hat,
die dem Fleischer mit dem Finger die Stücke gezeigt hat, die sie wollte.
Sie, die mit ihrer weit entfernten Freundin spricht
während ich hier am Tisch verweile
mit einer heißen, geselligen Tasse Tee
und mich fühle wie einer der freundlichen Eingeborenen,
ein verlässlicher Führer, vielleicht sogar der Lieblingssohn des Häuptlings.
Irgendwo kriecht ein Mann einen steinigen Berghang hinauf
auf blutenden Knien und Handflächen, ein irischer Büßer
der den Fels der Welt in seinem Magen trägt;
und anderswo starren Menschen aller Nationen
sich gegenseitig über einen langen, leeren Tisch an.
Doch hier, die Kerzen verströmen ihren warmen Schein,
das selbe Licht bei dem Shakespeare und Izaac Walton geschrieben haben,
das Licht, das die Gesichter der Geschichte erleuchtet und verschleiert hat.
Nur jetzt ist es ein Schattenspiel auf blauen Tellern,
zerknitterten Servietten, gekreuzten Messern und Gabeln.
Bald wird einer von uns ins Bett gehen
und der andere wird folgen.
Dann gleiten wir unter die Oberfläche der Nacht
in Meilen von Wasser, treiben hinab und hinab
auf den dunklen, geräuschlosen Grund,
bis das Gewicht der Träume uns noch tiefer zieht,
unter den Schiefer und das Sedimentgestein,
unterhalb der Schichten von Hunger und Genuss,
hinein in die gebrochenen Knochen der Erde selbst,
hinein in das Mark des einzigen Platzes, den wir kennen.
"Osso Buco à la Billy Collins" vollständig lesen
Tuesday, 9. February 2010
Beim morgendlichen Feeds-Lesen bei den Kochbanausen habe ich diese Pide entdeckt, sofort Hunger drauf bekommen und Zutaten gecheckt. Was den Teig angeht habe ich mich an die Vorgaben gehalten, lediglich mit 500 g Mehl, wie beim Kuriositätenladen. Die Menge reicht für 8 Pide und sollte 4 Personen als Hauptgericht sättigen.
In einer ausgiebigen Faltanleitung werde ich mich nicht austoben, das haben die Kochbanausen und Steph prima erklärt. Meine Füllung ist auch leicht abgewandelt, ich hatte eine Schüssel voller frischer Tomaten, die verarbeitet werden wollte und so als Soße zum Einsatz kam. Außerdem kommt Zucchini und ein Käse nach Feta-Art in meine Füllung. Das Hackfleisch brate ich vor dem Mischen mit den anderen Zutaten mit orientalischen Gewürzen krümelig an, das gibt extra Röstaromen. ;)
Als Dip habe ich einen recht flüssigen Naturjoghurt mit kräftig Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer und etwas Muskatnuss serviert, das hat wunderbar zu den Pide gepasst und imitiert die knoblauchfreie "Dönersoße".
Pide gibts bei uns in der Gegend bei türkischen Imbissen eher selten, Dauerbrenner sind Döner und Lahmacun. Um so appetitanregender die Vorstellung von nicht-fett-triefendem, knusprig-weichem Pide!
"Nachgebaut: Pide" vollständig lesen
Sunday, 3. January 2010
Winter ist immer wieder die Zeit der seligen Cholesterintode. Hauptsache Käse. Ein paar Vitamine verstecken sich ja auch unter der goldbraunen Schicht Glücksgefühl. Deswegen wird das hier die schnickschnackfreie Variante meines Beitrags zum Soulfood-Blogevent im Kochtopf.
Als Gemüsezusatz für den Nachoteller habe ich am liebsten Tomaten, Paprika, Zwiebeln und Chilis. Bohnen und Maiskörner sind jedoch auch lecker und passend. Bratenreste in Würfelchen oder krümelig gebratenes Hackfleisch werten das Ganze auch für notorische Fleischesser auf.
Zum Dippen mag ich zu Nachos gerne einen gewürzten Sauerrahm mit Kräutern, die typische TexMex Salsa aus dem Supermarkt passt jedoch auch wunderbar.
"Nachos mit extra Käse, bitte!" vollständig lesen
Tuesday, 15. September 2009

Ferienküche.. Und schon schweifen die Gedanken...
Zu eiskalten Pizzen in Wagenradgröße (mit Hackbällchen!) zum Frühstück in einem schäbigen L.A. Airport Hotel. Nach New York, zum zweitbesten Steak meines Lebens, mit Süßkartoffelpüree, Zwiebelringen und Ofenkartoffeln. Zu unanständig großen, selbst zusammengebauten Sandwiches in irgendeinem Nationalpark im mittleren Westen, garniert mit Nachos und scharfem Käsedip. Und hinterher Marshmallows überm Lagerfeuer halb angekokelt und cremig, aufgespießt an dekonstruierten Drahtkleiderbügeln. Zu einem riesenhaften und supersaftigen Schweinebraten, der in einer backyard in Modesto, CA den ganzen Tag über vor sich hin grillt und abends die gesamte Familie samt Cousins und Cousinen plus ein Wohnmobil voller Freunde bis zur Unbeweglichkeit sättigt. Zu dem Pfund frischer Garnelen aus der Markthalle in Barcelona, auf dem winzigen Tischchen eines Hotelzimmers gepult oder bei einem Picknick im Park Güell, mit trockenem Weißbrot und katalanischem Käse hinterher. Zu in saurer Sahne erfolgreich ertränkten Pierogi, gefüllt mit Kartoffeln und Kraut, nebenan ein Tässchen Barszcz in der Mensa der Breslauer Uni. Zu einer Seezunge, die links und rechts über einen ohnehin schon viel zu großen Teller in einem winzigen, von Einheimischen geführten kanarischen Restaurant hängt und keinen Platz mehr für die in Meersalz gekochten Kartöffelchen lässt. Und schließlich Tessiner Schnitzel, das ich mit dem einen Urlaub in Südtirol verbinde, bei dem ich Schwimmen gelernt habe. Tomatiger Käseschnitzelmatsch. Irgendwie seltsam und sehr 80er Touristenklitsche, aber irgendwie auch gut.
Aber eigentlich machen die Menschen, die man mit diesen Urlaubs-Essen verbindet, erst den Reiz dieser Erinnerungen aus.
"Tessiner Schnitzel - Blogevent XLIX - Ferienküche" vollständig lesen
Thursday, 21. May 2009
"Convenience Food ist die größte Todsünde seit der Erfindung des Ketchups." - Heinz Horrmann, Porenlügner.
Na dann sündigen wir mal.
Der Convenience Ketchup war leider aus, die selbstgeschnibbelten Backofenpommes wollten aber unbedingt in süßsaure Tomatenpampe tauchen bevor sie gierig weggeknuspert wurden. Selbstgemachter Ketchup ist allemal eine kulinarische Todsünde wert.
"Ketchup, selbstgebaut." vollständig lesen
Tuesday, 24. March 2009
Frei nach Potato and Corn Mash vom sympathischsten amerikanischen Landfrauenblog der Welt. Ganz lecker aufgewärmt kommt das Püree auch mit etwas Käse überbacken gut.
Die Rezepte bei The Pioneer Woman neigen leider immer dazu ein wenig extra-Butter /-Sahne /-Fett zu verlangen, hier lässt sich das allerdings recht gut durch mehr Milch ausgleichen. Ja, auch im Hause Kochen375 bewegt sichs langsam richtung Frühlingsfigur. Fettarm bloggt sichs aber nicht so schön.
"Kartoffelbrei mit Mais" vollständig lesen
Saturday, 14. June 2008
Wie der Name schon sagt.. scharf, eintopfig, außer Linsen, Huhn und Reis sind noch Champignons, ausgelassene Wurstscheiben und Cocktailtomaten vertreten. Die angenehme Schärfe kommt hierbei durch die scharfe Wurst und Chiliflocken, zu den Linsen passt die leicht orientalische Würzung und etwas Säure von Balsamico-Essig (ich gebs zu, ich wollte eigentlich eine Limette nehmen, aber die warn aus, der Balsamico passt aber auch gut).
Ich habe gerade mein Faible für Eintöpfe (wieder) entdeckt, sie sind einfach so herrlich bequem zu kochen und machen rundum glücklich. Mit einer guten Portion Chili natürlich noch mehr. ;)
"Feuriger Reiseintopf mit Hühnchen und Linsen" vollständig lesen
Tuesday, 4. March 2008
Zurück aus dem sonnigen Süden brauchts mal was anderes außer Tapas und viel zu süßen Süßigkeiten. Und ganz viel Fett überall.
1 Aubergine, gewürfelt
1 Zucchini, gewürfelt
1 Fenchelknolle, in Streifen
2 Karotten, in Scheibchen
700 g mehligkochende Kartoffeln, geschält und gewürfelt
1 l passierte Tomaten
1 l Gemüsebrühe
1 - 2 EL Tomatenmark
Knoblauch nach Geschmack
2 Lorbeerblätter
Salz, Pfeffer, Kräuter der Provence, Cayenne-Pfeffer, Koriander, Cumin, etwas Zucker
700 g Hackfleisch
200 g Feta-Käse
1 EL Senf
1 EL Honig
1 Ei
Semmelbrösel
Salz, Pfeffer, Cayenne-Pfeffer, Shoarma-Würzmischung
Gemüse in einem großen Topf in wenig Olivenöl andünsten, Kartoffeln, Tomaten/-mark und Brühe hinzu geben und auf mittlerer Hitze köcheln lassen bis die Kartoffeln gar sind und die Soße leicht sämig. Öfters umrühren, gegen Ende der Garzeit würzen.
Derweil Hackfleisch mit klein gewürfeltem Feta und den Gewürzen sowie dem Ei vermengen, Semmelbrösel zugeben bis die Masse gut zusammen hält. Tischtennisballgroße Hackbällchen formen, Eintopf auf niedrigste Temperatur stellen und Hackbällchen darin gar ziehen lassen.
Thursday, 21. February 2008
Beim Vergleichsrezepte ergoogeln fand ich zu dieser Suppe sowohl "ohne Maggi-Fix" und "Partysuppe". Was man bei so einem simplen Gericht mit Maggi-Fix will, ist mir allerdings unklar. Und was diese Suppe zur Partysuppe macht, mal abgesehn vom hohen Fettanteil, ist mir auch schleierhaft. Ist bestimmt auch super für Trennkost. Ansonsten halt ein Brot dazu essen. ;) Und nachdem mir die Werbung erzählt, ich solle bunt essen, hab ich noch ein paar Kirschtomaten spendiert.
"Lauch-Hack-Käse-Suppe" vollständig lesen
Monday, 18. February 2008
Inspiriert von einem sehr appetitlich zu lesendem Rezept aus einem Frühlings-essen und trinken der letzten Jahre entstand dieses Risotto. Ich war so frei Weißwein und Anisbrand weg zu lassen, da das ohnehin nicht zu meinem Standard-Küchenrepertoire gehört und den Gemüsefond durch Brühe zu ersetzen sowie den Pecorino gleich zu reiben und unter zu heben. War trotzdem genießbar. ;)
Friday, 25. January 2008
Oder: Wir kochen heute türkisch! Ich hatte Lust auf eine bodenständige, sättigende Suppe mit leicht mediterran bis orientalischem Hauch. Nach dem Durchsehen diverser Kochbücher dieser Richtung blieb ich bei Ezo Gelin Çorbası hängen, der Suppe der Braut Ezo.
Die Suppe scheint wirklich eine türkische Institution zu sein, gleich die erste befragte Person türkischstämmiger Herkunft wusste näheres zu den Zutaten zu berichten. ;) Zu meiner Grübelei über die Reissorte wurde mir dann der "ganz normale" empfohlen und wenns langweilig schmeckt, einfach mehr pul biber ("Döner mit scharf?"). In manchen Regionen würze man auch mit Zitrone, was mir sehr entgegen kam, da ich außer Pfefferminze keine ordentliche Minze im Haus hatte. Und Pfefferminztee in einer Suppe, na ich weiß nicht. Zitrone hatte ich auch nicht, nur Limette. ;)
Ob die Suppe jetzt geschmacklich an die türkische "wie bei Mutti" Version rankommt oder in Ezos Sinne war, weiss ich nicht. Lecker war sie allemal. ;)
"Ezo, verzeih mir!" vollständig lesen
Thursday, 18. October 2007
Inspiriert von Petras Familienrezept habe ich mich animiert gefühlt, auch mal diese mir bisher nur als Paprikafüllung bekannte Hackmasse als Bällchen in Tomatensoße zu garen. Aus meiner Tomatensoße wurde dann eher eine Paprika-Tomaten-Soße und die Bällchen wurden etwas aufgepeppt, aber ich war vermutlich noch nahe genug am Original ums "nachgekocht" zu nennen. ;) Bild hab ich mir gespart, sieht haargenau aus wie bei Petra.
Beim nächsten Versuch werde ich wohl noch etwas mehr Paprikaschoten in die Soße geben, bisschen mehr Knoblauch eventuell und mal sehen was dann die Kräutertöpfchen hergeben. Im Hack werd ichs mal mit Datteln probieren, die sind Süßer als Feigen, ich denke, das passt ganz gut. Hackbällchen ohne Reis dafür mit Rosinen habe ich schon mal ausprobiert, das kommt auch gut. ;)
"Nachgekocht: Reis-Hackbällchen in Tomatensoße" vollständig lesen
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Kommentare
Fri, 13.08.2010 17:37
hallo der luis ist einfach super habe als kind imer gern dise Filme geschaut, aber heute auch noch.. wollte dich [...]
Fri, 13.08.2010 13:36
Grüß dich Evi! Hier ist die Abstimmung und der Round [...]
Wed, 11.08.2010 08:49
Hehe, sehr gut! Ich bin dann mal im Suq! Ich dachte ja eher an ein gemütliches Homeoffice mit Internetversandhandel. [...]
Tue, 10.08.2010 12:43
Gute Idee, ich mache mit! Ich kann mir dich da auch richtig vorstellen: [...]
Sat, 07.08.2010 17:30
So oder so ähnlich ist der Plan.
Sat, 07.08.2010 17:29
Naja, das Einzige, was du brauchst, ist Stauraum. Bei den Gewürzen, von denen ich weiß, dass wir vor dem Verfallsdatum [...]
Sat, 07.08.2010 17:12
Ach, ich finde die Gewinnspanne bei Koriander vollkommen ausreichend. Wenn ich mich anstrenge, bekomme ich vielleicht [...]
Sat, 07.08.2010 15:31
Na dann macht man sich drei kleine Töpfchen fertig - für jedes Jahr der Haltbarkeit eins - und verschenkt den Rest [...]
Sat, 07.08.2010 14:24
Interessant. Aber Problem liegt daran, dass wir 1 kilo Gewürz für eine Familie sehr viele Menge. Grüsse...
Sat, 07.08.2010 13:07
Noch mehr verdienst Du mit besonderen Gewürzen wie Vanille oder Safran.
Sat, 07.08.2010 12:34
Hunger!!!!
Thu, 05.08.2010 08:36
(ist erlaubt.
Thu, 05.08.2010 08:35
Freut mich!
Thu, 05.08.2010 08:32
Hauptsache irgendwas kräftiges. Mit diesen Plastikkäsen kann ich nicht so.
Mon, 02.08.2010 22:33
Gerade eben über diesen Beitrag gestolpert: Den Burger nehm' ich! Jetzt! Liebe Grüße, Sus (noch klammheimlich den [...]